Neue Forschung: „Die Auflösung des alten Templerordens war nicht gültig“

Die revolutionäre rechtshistorische Dissertation an der Paris Lodron Universität Salzburg enthüllt entscheidende Fakten über die berühmte Bulle „Vox in Excelso“.

Sophie Kirchgasser hat in ihrer wegweisenden Dissertation die Rolle der Bulle Vox in Excelso analysiert. Ihre Forschungen haben gezeigt, dass die Bulle zur Auflösung des Templerordens rechtlich nicht gültig ist, da es sich wahrscheinlich nur um eine „Rede“ über die Schuld des Ordens handelte, die später als Bulle bezeichnet wurde. Die Aufhebung des Ordens beruhte somit nicht auf einer rechtmäßigen kirchlichen Entscheidung, sondern auf wirtschaftlichen Motiven des französischen Königs Philipp IV. und des Johanniterordens, die beide am Reichtum der Templer interessiert waren.

Die eingehenden Untersuchungen zur Bulle Vox in Excelso, die Kirchgasser in ihrer rund 300 Seiten umfassenden Dissertation durchgeführt hat, führten zu einem eindeutigen Ergebnis. Sie hat nachgewiesen, dass der Templerorden nie rechtmäßig aufgehoben wurde, da die Bulle auf fehlerhaften Zitaten beruht.

„Unsere Forschungen stützen sich auf zahlreiche historische, philologische und rechtliche Elemente, die in dieser Form erstmals in der Dissertation und in der Arbeit des Salzburg International Templer Studies Network vorgelegt werden“

betont der Jurist Daniele Mattiangeli von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg.

Die Fußnoten enthüllen neue Entdeckungen

Die Bulle Vox in Excelso, vom Päpstlichen Komitee für Geschichte als unbestreitbar angesehen, findet sich in verschiedenen modernen Sammlungen von Bullen und Dekreten der Kirchenkonzilien. Alle diese Texte sind identisch. Kirchgasser richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Fußnoten dieser Texte und entdeckte, dass die derzeitige offizielle Fassung von Jaime Villanueva bereits aus dem Jahr 1806 stammt und später 1866 von Hefele in der Zeitschrift Theologische Quartalschrift zitiert wurde. Beide Fassungen beziehen sich auf eine in Katalonien aufgefundene Abschrift, die heute nicht mehr auffindbar ist. Eine weitere Abschrift befindet sich in Barcelona, ist aber kein Original aus der päpstlichen Kanzlei Klemens’ V. Kirchgasser hat Hunderte von Abweichungen gegenüber dem Text Villanuevas festgestellt und dokumentiert und damit die rechtliche Grundlage der Bulle in Zweifel gezogen. Das bedeutet, dass die als offiziell und sicher geltende Fassung Villanuevas nicht auf der Abschrift von Barcelona beruht, wodurch der Text wegen eines fehlerhaften Zitats seinen Rechtswert verliert.

Das Konzil hat die Aufhebung des Ordens nicht gebilligt

Ein weiterer entscheidender Aspekt ist, dass die Bulle als einfache „apostolische Entscheidung“ erklärt wurde, obwohl ihr die offizielle Unterschrift des Papstes fehlte. Zeitgenössische Berichte, wie der des Walter von Guisborough, bestätigen, dass das Konzil die Aufhebung des Templerordens nicht billigte. Guisborough dokumentiert, dass ein Kleriker den auf dem Konzil Anwesenden mit der Exkommunikation drohte, falls sie sich der Entscheidung in der Templerfrage widersetzten. Dies widerspricht der Aussage der Bulle, wonach die Templer „concilio approbante“ (mit Billigung des Konzils) aufgehoben wurden.

Sophie Kirchgasser hat die wichtigsten Archive Europas durchforscht, ohne ein Originaldokument der Bulle zu finden, und die verfügbaren Abschriften weisen erhebliche Unterschiede auf. Dass weder in den vatikanischen Archiven noch anderswo Originale gefunden wurden, stützt die Hypothese, dass die Bulle Vox in Excelso nie existiert hat. Es handelt sich wahrscheinlich nicht um eine Aufhebungsbulle, sondern um eine Art „politische Rede“ über die Schuld des Templerordens während des Konzils von Vienne.

Die Verteilung der Güter in „Ad Providam“ ist authentisch

Anders als bei jener existieren zahlreiche Abschriften der Bulle Ad Providam, die die Güter des Templerordens regelte und sein wirtschaftliches Ende verfügte. Mit Ad Providam wurden alle Güter der Templer den Johannitern übertragen, und der Templerorden verlor sein gesamtes Vermögen, was in den folgenden Jahren zu seinem Erlöschen führte. Die meisten Templer wechselten in andere Orden oder kehrten in ihr früheres Leben zurück.

Die Dissertation zeigt, dass die Zerstörung des Templerordens stark von den wirtschaftlichen Interessen des französischen Königs Philipp IV. beeinflusst war, der die Güter des Ordens für sich und die Krone sichern wollte und damit eine Kampagne gegen die Templer auslöste. Diese politischen Machenschaften führten schließlich zu einer „Rede“ über die Schuld des Ordens, die als Bulle präsentiert wurde, ohne die erforderlichen rechtlichen Voraussetzungen.

„Diese historische Rekonstruktion könnte die Rechtsstellung des Templerordens wiederherstellen, und der Papst könnte den Orden rehabilitieren“

erklären die Dissertantin Sophie Kirchgasser und der Rechtshistoriker Daniele Mattiangeli überzeugt.

Quellen:

Pressemitteilung der Universität